Đavolja Varoš („Teufelsstadt“) bei Kuršumlija in Südserbien ist eine bizarre Felsformation aus über 200 schlanken Erdpyramiden, jede von einer Steinkappe gekrönt. Dazu kommen zwei extrem saure Mineralquellen. Das durch Erosion entstandene Naturdenkmal war 2011 Serbiens Kandidat für die neuen sieben Weltwunder der Natur und ist ein einzigartiges geologisches Phänomen.
Am bewaldeten Hang des Radan-Gebirges im Süden Serbiens, unweit der Stadt Kuršumlija, verbirgt sich eine der eigenartigsten Landschaften des ganzen Balkans: Đavolja Varoš, die „Teufelsstadt“. Zwischen dichten Wäldern ragen hier mehr als zweihundert schlanke, spitze Erdtürme auf – manche kaum kniehoch, andere über fünfzehn Meter hoch –, von denen jeder von einer dunklen Steinplatte wie von einem Hut gekrönt wird. Der Anblick dieser aufragenden Steinsäulen hat schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt und dem Ort seinen unheimlichen Namen eingebracht.
Entstanden ist dieses Naturwunder nicht durch Teufelswerk, sondern durch die geduldige Kraft der Erosion über Jahrtausende. Hinzu kommen zwei außergewöhnliche Quellen, deren Wasser extrem sauer und stark mineralhaltig ist. 2011 war Đavolja Varoš der serbische Kandidat im weltweiten Wettbewerb um die neuen sieben Naturwunder – ein Beleg für die Einzigartigkeit dieses Ortes. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Erdpyramiden entstanden sind, welche Legenden sich um sie ranken, was es mit den seltsamen Quellen auf sich hat und wie man den Besuch am besten plant.
| Lage | Südserbien, am Radan-Gebirge bei Kuršumlija |
|---|---|
| Formation | über 200 Erdpyramiden, 2–15 m hoch, mit Steinkappen |
| Entstehung | Erosion über Jahrtausende (Erdpyramiden/Hoodoos) |
| Quellen | Đavolja voda & Crveno vrelo – extrem sauer, mineralreich |
| Status | Naturdenkmal; 2011 Kandidat „7 Weltwunder der Natur“ |
| Anreise | ca. 27 km von Kuršumlija; rund 4 Std. von Belgrad |
Fragen, die wir beantworten
Was ist Đavolja Varoš?
Đavolja Varoš – zu Deutsch „Teufelsstadt“ – ist eine der ungewöhnlichsten Naturformationen Südosteuropas. Auf einem steilen, bewaldeten Hang des Radan-Gebirges stehen über zweihundert schlanke Erdsäulen dicht beieinander, wie eine versteinerte Geisterstadt. Diese sogenannten Erdpyramiden (Fachleute sprechen von Erdpfeilern oder Hoodoos) sind zwischen zwei und fünfzehn Meter hoch und messen an der Basis oft nur wenige Dezimeter. Ihr Markenzeichen ist die dunkle Steinkappe auf jeder Spitze, die dem weichen Erdmaterial darunter Schutz vor dem Regen bietet und die Türme überhaupt erst hat entstehen lassen. Umgeben ist das Ensemble von tiefen Erosionsrinnen und rötlich schimmerndem Boden. Das gesamte Areal steht als Naturdenkmal unter Schutz und gehört zu den meistbesuchten Naturzielen Südserbiens. Wer die abwechslungsreiche Natur des Landes kennenlernen will, findet mit Đavolja Varoš ein Gegenstück zu den grünen Schluchten und Bergen anderer Regionen – eine karge, fast surreale Mondlandschaft mitten im Wald, wie sie im Bereich Natur & Nationalparks ihresgleichen sucht.
Wie sind die Erdpyramiden entstanden?
So teuflisch der Name, so natürlich die Ursache: Đavolja Varoš ist ein Lehrbuchbeispiel für Erosion. Der Untergrund besteht hier aus lockerem, leicht verwitterbarem Erdmaterial, das von härterem Gestein durchsetzt ist. Über Jahrtausende trug Regenwasser das weiche Material ab und grub tiefe Rinnen in den Hang. Überall dort, wo ein widerstandsfähiger Steinblock auf der Oberfläche lag, schützte er die Erde direkt darunter vor dem Abtrag – während ringsherum der Boden immer weiter abgetragen wurde. So blieben schlanke Säulen stehen, jede mit „ihrem“ schützenden Stein als Kappe obenauf. Dieser Prozess dauert bis heute an: Die Türme wachsen, verändern sich und stürzen mitunter ein, wenn ihre Steinkappe herabfällt, während an anderer Stelle neue Pfeiler entstehen. Đavolja Varoš ist damit kein starres Denkmal, sondern eine lebendige, sich ständig wandelnde Landschaft. Verstärkt wird der Effekt durch die besondere Zusammensetzung des Bodens, die mit den nahen Mineralquellen zusammenhängt – ein Zusammenspiel geologischer Kräfte, das diese Formation weltweit selten macht.
Was hat es mit den seltsamen Quellen auf sich?
Zu den Erdpyramiden gesellen sich zwei außergewöhnliche Quellen, die das Phänomen erst vollständig machen. Die eine trägt den bezeichnenden Namen Đavolja voda („Teufelswasser“): Ihr Wasser ist extrem sauer und weist einen ungewöhnlich hohen Mineralgehalt auf – deutlich höher als bei gewöhnlichem Mineralwasser. Die zweite Quelle, Crveno vrelo („Rote Quelle“), verdankt ihren Namen den rostroten Ablagerungen, die das eisenhaltige Wasser hinterlässt. Diese saure, mineralreiche Beschaffenheit des Bodens trägt dazu bei, dass die Vegetation an den Hängen spärlich bleibt und die Erosion ungehindert wirken kann – die Quellen und die bizarren Türme bedingen einander also. Für Besucher sind die Quellen ein faszinierendes Detail, doch ihr Wasser ist wegen des hohen Mineral- und Säuregehalts nicht zum Trinken geeignet. Zusammen mit den aufragenden Steinsäulen ergeben sie ein geologisches Gesamtkunstwerk, das Wissenschaftler ebenso begeistert wie neugierige Reisende.
Welche Legenden ranken sich um die Teufelsstadt?
Wo die Natur so seltsame Formen schafft, sind Legenden nicht weit. Die bekannteste Sage erzählt von einer Hochzeitsgesellschaft: Der Teufel habe den Menschen die Sinne verwirrt, sodass eine Hochzeit zwischen Bruder und Schwester geschlossen werden sollte. Um diese Sünde zu verhindern, habe eine höhere Macht die gesamte Hochzeitsgesellschaft mitten im Zug versteinert – und so stünden die Erdtürme bis heute als erstarrte Hochzeitsgäste da. Andere Überlieferungen deuten die aufragenden Säulen als Werk teuflischer Kräfte, weshalb die Einheimischen den Ort lange mieden und ihm seinen unheimlichen Namen gaben. Das saure „Teufelswasser“ mit seinem ungewöhnlichen Geschmack tat ein Übriges, um den Ruf des Ortes als verwunschene Stätte zu festigen. Solche Legenden sind ein fester Bestandteil des Erlebnisses und verleihen dem geologischen Naturwunder eine geheimnisvolle, fast märchenhafte Aura. Sie erzählen zugleich viel über den Volksglauben und die Erzähltradition der Region, die im Bereich Land & Leute lebendig bleibt.
Wie besucht man Đavolja Varoš?
Đavolja Varoš ist gut für Besucher erschlossen, ohne seinen wilden Charakter zu verlieren. Vom Parkplatz und Eingangsbereich führt ein markierter Wanderweg mit Holzstegen und Aussichtsplattformen zu den beiden Feldern der Erdpyramiden hinauf. Der Rundweg ist überschaubar, verläuft aber teils steil und uneben, sodass festes Schuhwerk empfehlenswert ist; für den Aufstieg und die Besichtigung sollte man ein bis zwei Stunden einplanen. Für den Zutritt wird ein kleiner Eintritt erhoben, und am Eingang gibt es einfache gastronomische Angebote sowie Souvenirstände. Die Stege sorgen dafür, dass die empfindliche Formation geschützt bleibt – bitte die Wege nicht verlassen und nichts von den Türmen abbrechen. Der Besuch eignet sich gut als Tagesausflug und lässt sich hervorragend mit den nahen Thermalbädern oder einer Weiterfahrt Richtung Süden verbinden. Wer die Vielfalt der serbischen Natur erleben möchte, ergänzt Đavolja Varoš ideal mit einem Abstecher ins Gebirge Kopaonik oder zum Uvac-Canyon.
Wie kommt man hin und wann ist die beste Zeit?
Đavolja Varoš liegt rund 27 Kilometer von der Stadt Kuršumlija entfernt, im Süden Serbiens am Fuß des Radan-Gebirges. Die nächstgrößere Stadt ist Niš, von wo aus man das Naturdenkmal in gut anderthalb Stunden erreicht; von Belgrad sind es rund vier Stunden Fahrt. Da öffentliche Verbindungen bis zur abgelegenen Formation kaum vorhanden sind, ist ein Mietwagen die beste Wahl. Die beste Reisezeit ist von Frühling bis Herbst, wenn die Wege trocken und gut begehbar sind; im Winter kann Schnee den Zugang erschweren. Besonders schön ist ein Besuch im Herbst, wenn sich der umgebende Wald bunt färbt und die Erdpyramiden vor leuchtendem Laub aufragen. Plane den Ausflug so, dass du das weiche Nachmittagslicht für die schönsten Ausblicke nutzen kannst. Alle Details zu Anreise, Einreise mit Personalausweis und Verkehr findest du in unserer Reiseplanung.
Was ist Đavolja Varoš?
Đavolja Varoš („Teufelsstadt“) ist eine Felsformation bei Kuršumlija in Südserbien. Sie besteht aus über 200 schlanken Erdpyramiden von 2 bis 15 Metern Höhe, die jeweils von einer Steinkappe gekrönt werden, sowie aus zwei extrem sauren Mineralquellen. Das durch Erosion entstandene Naturdenkmal gilt als einzigartiges geologisches Phänomen.
Wie sind die Erdpyramiden entstanden?
Durch Erosion über Jahrtausende. Regenwasser trug das weiche Erdmaterial des Hangs ab und grub tiefe Rinnen. Wo ein harter Steinblock auflag, schützte er die Erde darunter vor dem Abtrag, sodass schlanke Säulen mit Steinkappe stehen blieben. Der Prozess hält an: Türme wachsen, stürzen ein und entstehen neu.
Kann man das Wasser der Quellen trinken?
Nein. Die beiden Quellen Đavolja voda und Crveno vrelo führen extrem saures, stark mineralhaltiges Wasser mit hohem Eisengehalt. Es ist wegen seiner Zusammensetzung nicht zum Trinken geeignet, aber ein faszinierendes Naturphänomen, das die Entstehung der Erdpyramiden mitbeeinflusst hat.
Wie kommt man nach Đavolja Varoš?
Das Naturdenkmal liegt rund 27 Kilometer von Kuršumlija entfernt. Von Niš erreicht man es in gut anderthalb Stunden, von Belgrad in etwa vier Stunden. Da es kaum öffentliche Verbindungen gibt, empfiehlt sich ein Mietwagen. Vor Ort führen Holzstege und Aussichtsplattformen zu den Erdpyramiden.
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