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Festung Petrovaradin

Festung Petrovaradin

Die Festung Petrovaradin ist eine barocke Sternfestung der Habsburger, die zwischen 1692 und 1780 über der Donau gegenüber von Novi Sad entstand. Der Uhrturm mit den vertauschten Zeigern ist ihr Wahrzeichen; dazu kommen ein Stadtmuseum, Künstlerateliers, ein weites Tunnelsystem und der beste Blick auf die Stadt. Das Gelände ist frei begehbar, Museum und Führungen kosten Eintritt in Dinar.

Wer in Novi Sad am Donauufer steht und nach Süden schaut, sieht auf einem Felsen am anderen Ufer eine lange, gelbgraue Mauerlinie, die wie ein auf Grund gelaufenes steinernes Schiff wirkt. Das ist Petrovaradin, im Volksmund auch das „Gibraltar an der Donau“. Die Anlage gehört zu den größten und am besten erhaltenen Festungen dieser Bauart in Südosteuropa und ist doch kein Museumsstück hinter Absperrbändern, sondern ein lebendiger Stadtteil mit Wohnhäusern, Cafés, Galerien und Hotels hinter den Wällen.

Dieser Beitrag geht tiefer als der Überblick auf der Seite zu Novi Sad. Er erklärt, wie die Festung gebaut wurde, was oben auf dem Plateau tatsächlich zu sehen ist, wie du die Gänge unter dem Hügel besuchst und wie du den Tag so legst, dass du weder in der Mittagshitze noch im Gedränge der Festivalwochen stehst.

LageSüdufer der Donau, Stadtteil Petrovaradin, gegenüber der Altstadt von Novi Sad
BauzeitAusbau der Habsburger zwischen 1692 und 1780
BauartBarocke Bastionsfestung mit Oberer Festung, Hornwerk und Unterer Festung
WahrzeichenUhrturm auf dem Ludwigsbollwerk, Zeiger vertauscht
EintrittGelände frei zugänglich; Stadtmuseum und Tunnelführungen kostenpflichtig (in Dinar)
Zu Fuß ab ZentrumEtwa 15 Minuten über die Varadin-Brücke
Beste ZeitSpäter Nachmittag bis Sonnenuntergang, Mai bis September

Wie entstand die Festung und warum so groß?

Die heutige Festung entstand, weil die Habsburger nach dem Rückzug der Osmanen aus Ungarn eine sichere Donaulinie brauchten. Ab 1692 wurden die älteren Befestigungen, darunter Reste einer mittelalterlichen Zisterzienserabtei und einer osmanischen Palanka, abgetragen und durch eine neue Anlage ersetzt, die bis 1780 immer weiter wuchs. Der Hügel am Fluss war ideal: Hier verengt sich das Donautal, und wer den Felsen hielt, kontrollierte den Verkehr zwischen Pannonischer Ebene und Balkan. Entscheidend für den Ruf der Anlage wurde 1716, als ein kaiserliches Heer unter Prinz Eugen von Savoyen bei Petrovaradin ein größeres osmanisches Heer schlug, ein Wendepunkt des damaligen Türkenkrieges. Die Festung gliedert sich in die Obere Festung auf dem Plateau, das vorgelagerte Hornwerk und die Untere Festung am Fluss, die als Podgrađe bekannt ist. Mehr zum historischen Hintergrund findest du auf unserer Seite zur osmanischen Zeit in Serbien.

Ein Blick auf die Maße erklärt, warum der Ausbau fast neunzig Jahre dauerte. Die Mauern, Gräben und vorgeschobenen Werke zogen sich über ein Areal, das mehrere Stadtviertel fassen würde, und im Inneren musste eine ganze Garnison mit Unterkünften, Vorratshäusern, Pulvermagazinen und Brunnen versorgt werden. Ingenieure legten die Bastionen so an, dass sich ihre Schussfelder überschnitten und kein Winkel ungedeckt blieb. Weil die Habsburger Soldaten, Handwerker und Händler aus vielen Teilen der Monarchie hierher brachten, entstand unterhalb der Wälle eine bunte Siedlung, die sich bis heute im Stadtbild der Unteren Festung ablesen lässt. Lange galt die Anlage als uneinnehmbar, ihre Bedeutung als Grenzfestung verlor sie erst, als sich die Grenze der Monarchie weiter nach Süden verschob.

Warum zeigt der Uhrturm die Zeit „falsch“ an?

Der Uhrturm zeigt die Zeit nicht falsch, sondern bewusst verkehrt herum: Der große Zeiger gibt die Stunden an, der kleine die Minuten. Der Grund war praktisch. Die Uhr sollte von der Donau aus lesbar sein, und Schiffer auf dem Fluss erkennen aus der Ferne eher den langen Zeiger als den kurzen. Wer die Uhr zum ersten Mal sieht, glaubt an einen Defekt und rechnet falsch. Das Zifferblatt sitzt auf dem Turm des Ludwigsbollwerks, und es ist eines der am häufigsten fotografierten Motive der Stadt. In Novi Sad wird außerdem erzählt, die Uhr gehe bei Kälte nach und bei Hitze vor, weshalb sie scherzhaft die „betrunkene Uhr“ heiße; ob das mechanisch stimmt, lässt sich leicht bezweifeln, es gehört aber zur Folklore des Ortes. Lohnend ist ein kurzer Blick von den Wällen direkt neben dem Turm: Hier öffnet sich der Blick über die Donau, die Brücken und die Dächer der Altstadt bis weit in die Ebene der Vojvodina.

Was steckt hinter den unterirdischen Gängen?

Unter dem Hügel liegt ein weitverzweigtes System aus Minen- und Verbindungsgängen, das auf mehreren Ebenen verläuft. Als Gesamtlänge werden meist rund 16 Kilometer genannt; zugänglich ist aber nur ein kleiner Teil von etwa einem Kilometer. Die Gänge dienten der Verteidigung: Von dort aus konnten Sprengladungen unter angreifende Truppen vorgetrieben werden, und Soldaten kamen ungesehen zwischen den Bastionen hin und her. Besichtigen kannst du den freigegebenen Abschnitt nur mit einer Führung des Stadtmuseums, die auf Anfrage und zu festen Terminen stattfindet. Frage nach Sprache, Treffpunkt und Preis direkt am Museumskassenschalter, denn Zeiten und Tarife ändern sich, und ältere Angaben im Netz weichen voneinander ab. Rechne mit kühler, feuchter Luft und unebenem Boden, nimm eine Jacke und feste Schuhe mit und plane etwa eine Stunde ein. Für Menschen mit Platzangst oder Gehproblemen sind die engen Passagen weniger geeignet.

Was gibt es oben auf dem Plateau zu sehen?

Auf dem Plateau liegt das Stadtmuseum von Novi Sad in einem ehemaligen Kasernengebäude. Es zeigt die Geschichte der Festung, Waffen und Ausrüstung sowie das bürgerliche Leben der Stadt im 18. bis 20. Jahrhundert. Gleich daneben beginnt das Reich der Künstler: Seit 1952 nutzt eine Künstlerkolonie leerstehende Räume der Anlage als Werkstätten, und heute arbeiten Dutzende Maler, Bildhauer und Textilkünstler hier, besonders entlang des Maria-Theresia-Bollwerks. Viele Ateliers sind für Besucher offen, du darfst eintreten, fragen und Werke kaufen. Bekannt ist das Atelier 61 mit Wandteppichen. Dazu kommen Restaurants mit Donauterrassen, ein Hotel in einem barocken Kasernenbau und kleine Galerien. Ein Spaziergang über den Hornwerk-Wall und die breite Hauptgasse zeigt dir zudem, wie lang die Mauern wirklich sind. Unten, in der Unteren Festung, stehen schmale Barockhäuser und die Kirchen des Stadtteils.

Wie kommst du hin und was kostet der Besuch?

Von der Altstadt aus brauchst du zu Fuß etwa eine Viertelstunde: über den Fußgängerbereich zur Donau, dann über die Varadin-Brücke, die nach dem Wiederaufbau mit ihrem Regenbogenbogen ein eigenes Fotomotiv ist. Wer lieber fährt, nimmt ein Taxi oder einen Stadtbus bis zum Stadtteil Petrovaradin; die letzten Meter zum Plateau gehen über Rampen oder Treppen. Das Betreten des Geländes kostet nichts. Zahlen musst du nur für das Museum und für die Tunnelführungen, in Dinar (RSD), und die Beträge sind für westeuropäische Geldbeutel gering. Halte etwas Bargeld bereit, vor allem für kleine Ateliers und Kioske. Öffnungszeiten des Museums und Termine für Führungen wechseln saisonal und nach Wochentag, prüfe sie vor dem Besuch. Wenn du von weiter weg anreist, nimmst du von Belgrad aus den Zug oder Bus nach Novi Sad; dort ist alles Weitere zu Fuß machbar.

Wann und wie lange lohnt sich der Besuch?

Für das Plateau, das Museum und einen Bummel durch die Ateliers solltest du zwei bis drei Stunden einplanen, mit Tunnelführung und Abendessen oben einen halben Tag. Am besten funktioniert der späte Nachmittag: Das Licht ist weich, die Hitze lässt nach, und die Stadt auf der anderen Flussseite färbt sich golden. Im Hochsommer meidest du die Mittagsstunden, denn auf dem offenen Plateau gibt es nur wenig Schatten. Im Winter ist das Gelände ruhig und nebelig, viele Ateliers haben dann aber kürzere Zeiten. Während großer Veranstaltungen kann der Zugang eingeschränkt sein; Näheres zum bekanntesten Musikereignis liest du auf der Seite zum EXIT-Festival. Wer Petrovaradin mit einem Tagesausflug verbinden möchte, fährt anschließend nach Sremski Karlovci oder in die Wälder der Fruška Gora, beide liegen nur wenige Kilometer entfernt.

Ist der Eintritt zur Festung Petrovaradin kostenlos?

Das Gelände ist frei zugänglich, du kannst Wälle, Plateau und Aussichtspunkte ohne Ticket besuchen. Eintritt in Dinar zahlst du für das Stadtmuseum und für die geführten Touren durch die Gänge unter der Festung. Aktuelle Preise erfragst du am besten vor Ort.

Warum sind die Zeiger der Uhr vertauscht?

Der große Zeiger zeigt die Stunden, der kleine die Minuten. Damit konnten Schiffer auf der Donau die Uhrzeit schon aus großer Entfernung ablesen, weil sich der lange Zeiger besser erkennen lässt. Das war eine praktische Entscheidung und kein Fehler.

Kann man die unterirdischen Gänge besichtigen?

Ja, aber nur einen kleinen Abschnitt von rund einem Kilometer und ausschließlich mit einer Führung des Stadtmuseums. Das gesamte System soll rund 16 Kilometer messen. Erkundige dich nach Terminen und Sprache, Zeiten und Preise ändern sich.

Wie weit ist es von Novi Sad nach Petrovaradin?

Die Festung liegt direkt gegenüber der Altstadt am anderen Donauufer. Zu Fuß brauchst du etwa 15 Minuten über die Varadin-Brücke, mit Taxi oder Bus noch weniger. Der Weg zum Plateau führt zuletzt über Treppen oder Rampen.

Entdecke Novi Sad und die Festung am Fluss

Petrovaradin ist nur ein Kapitel der Stadt an der Donau. Plane deinen Besuch mit Altstadt, Strand und Umland und verbinde die Festung mit Kloster- und Weinausflügen in der Fruška Gora.

Zum Novi-Sad-Reiseführer

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