Oktober 19, 2026
Novi Sad erlebt 2026 einen anhaltenden Tourismusboom: Laut der Tourismusorganisation der Stadt besuchten allein in den ersten acht Monaten des Jahres mehr als 148.000 Gäste die serbische Donaumetropole — mit über 368.000 Übernachtungen ein neuer Spitzenwert. Wer jetzt eine Kulturreise in die frühere Kulturhauptstadt Europas plant, sollte sich mit drei praktischen Fragen vorab auseinandersetzen: Wie reise ich ein? Gehört Serbien zum Schengen-Raum? Und was mache ich mit meinem Euro?

Rekordbesuch in der „serbischen Athen“ — das steckt dahinter
Novi Sad trägt den inoffiziellen Beinamen „serbische Athen“ — und der Zustrom an Kulturreisenden gibt diesem Spitznamen 2026 recht. In den ersten acht Monaten des Jahres haben 148.000 Gäste in Novi Sad mehr als 368.000 Übernachtungen erzielt, wie die Tourismusorganisation der Stadt mitteilte. Schon das erste Quartal zeigte, wie stark der Trend ist: Von Januar bis März 2026 besuchten insgesamt 40.083 Touristen die Stadt, was einem Wachstum von 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, wie das Statistische Amt der Republik Serbien ausweist.
Besonders bemerkenswert ist die internationale Strahlkraft: Vojvodinas Verwaltungshauptstadt registrierte von Januar bis Juli 2026 rund 81.690 ausländische Ankünfte — ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr — sowie 232.874 Übernachtungen ausländischer Gäste. Zu den wichtigsten Herkunftsmärkten zählen Länder aus der Region, aber auch Deutschland, die USA, China und Australien. Dazu beigetragen haben intensive Promotionsaktivitäten, die Teilnahme an internationalen Messen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung des touristischen Angebots, so die Tourismusorganisation Novi Sads.
Die offizielle Tourismuswebsite der Stadt bezeichnete das erste Halbjahr 2026 als „herausragend erfolgreich“ — Novi Sad trägt zudem seit diesem Jahr den Titel „European City of Sport 2026″ und bleibt als Europäische Kulturhauptstadt 2022 im internationalen Bewusstsein.
Was zieht die Besucher an? Die Kulturangebote der serbischen Städte sind vielfältig, doch Novi Sad sticht mit einem besonderen Mix heraus: mittelalterliche Festungsarchitektur, lebendige Caféhauskultur, Klosterlandschaften in der nahegelegenen Fruška Gora und ein dichtes Festivalprogramm.
Einreise nach Serbien: Was Sie 2026 wirklich wissen müssen
Serbien ist kein EU-Mitglied und gehört auch nicht dem Schengen-Raum an — das hat weitreichende praktische Konsequenzen, die viele Reisende unterschätzen. Lesen Sie hier, was beim Grenzübertritt konkret gilt.
Welche Dokumente brauche ich?
Die Einreise ist für deutsche Staatsangehörige mit Reisepass, vorläufigem Reisepass oder Personalausweis möglich. Die Reisedokumente müssen für die Dauer des Aufenthalts gültig sein. Deutsche Staatsangehörige können für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen ohne Visum nach Serbien reisen. Für die Einreise genügt neben dem Reisepass auch der Personalausweis, der ebenfalls während des gesamten Aufenthalts gültig sein muss.
Österreicher sollten beachten: Elektronische Ausweise wie ID Austria werden derzeit ausschließlich in Österreich akzeptiert — für die Serbien-Reise empfiehlt sich daher stets ein klassischer Reisepass oder Personalausweis. Für Schweizer Bürger gilt ebenfalls visumfreie Einreise für bis zu 90 Tage. Minderjährige Reisende benötigen ein Ausweisdokument sowie eine unterschriebene Einverständniserklärung des oder der Sorgeberechtigten auf Englisch; Kinder unter 16 Jahren brauchen eine amtlich beglaubigte Erklärung in englischer oder serbischer Sprache.
Ein weiterer wichtiger Punkt für Vielvereisende: Serbien gehört weder zum Schengen-Raum noch zur EU, daher zählt die Zeit dort nicht auf das Schengen-Kontingent an. Wer also zwischen Schengen-Reisen einen Serbientrip einplant, verbraucht dabei keine seiner 90 Schengen-Tage.
Grenzkontrollen und Wartezeiten
Aufgrund der Migrationslage und der Bemühungen benachbarter Staaten um einen Schengen-Beitritt wurden die Kontrollen an serbischen Grenzübergängen verstärkt. Reisende müssen bei Ein- und Ausreise regelmäßig mit teils mehrstündigen Wartezeiten rechnen. Besonders an Wochenenden und in der Hochsaison kann es an den Hauptübergängen eng werden. Das Auswärtige Amt hatte zuletzt im August 2026 seine Reise- und Sicherheitshinweise für Serbien aktualisiert — geändert wurden insbesondere Angaben zur Infrastruktur und zum Verkehr sowie zu den Einfuhrbestimmungen bei Ein- und Durchreise.
Wer mit dem Auto anreist, sollte außerdem wissen: Die Mitnahme von Anhaltern über die Grenze kann den Strafbestand der Schleusung von Flüchtlingen erfüllen. Bei Einreise besteht Meldepflicht bei der Polizei — ausgenommen sind Personen, die im Hotel übernachten. In der Praxis bedeutet das: Wer im Hotel oder in einer eingetragenen Unterkunft wohnt, ist automatisch gemeldet.
Deklarationspflicht für Bargeld
Wer größere Summen mitbringt, muss diese deklarieren: Die Einfuhr von Fremdwährung ist unbeschränkt erlaubt, jedoch ab einem Betrag von 10.000 Euro bei der Einreise zu deklarieren. Falls gleichzeitig Devisen, Dinar und Schecks ausgeführt werden, darf die Gesamtsumme nicht mehr als 10.000 Euro betragen. Höhere Beträge dürfen nur per Banküberweisung ausgeführt werden.
Kein Euro, kein Schengen — Serbien auf eigenem Kurs
Serbien führt keine eigene EU-Mitgliedschaft und auch keinen Euro ein — zwei Fakten, die für Kulturreisende direkte Auswirkungen haben. Ein Blick auf den aktuellen politischen Rahmen hilft beim Verständnis.
Serbiens Schengen-Ambitionen: Bis 2027?
Serbien plant, bis Ende 2027 „bereit für den Beitritt zum Schengen-Raum“ zu sein, erklärte die Regierung zuletzt öffentlich. Serbiens Europaminister Nemanja Starović unterstrich im August 2026 gegenüber Radio Belgrad, dass der europäische Weg im Mittelpunkt der Regierungsarbeit stehe. Die Vorbereitung auf einen EU-Beitritt und die Integration in den Schengen-Raum sollten gleichzeitig verlaufen, da diese Prozesse nicht formell aneinander gebunden seien — es gebe schließlich europäische Länder, die nicht der EU angehörten, aber Teil des Schengen-Raums seien.
Skeptiker zweifeln an diesem Zeitplan: Der Vizepräsident der Nichtregierungsorganisation Europäische Bewegung in Serbien hält es für unrealistisch, dass Serbien bis Ende 2027 bereit sein werde, dem Schengen-Raum beizutreten. Das Land müsse zuvor eine Reihe politischer und technischer Schritte unternehmen. Ein zentraler Knackpunkt: Um Teil des Schengen-Raums zu werden, muss ein Land seine Visapolitik mit derjenigen der EU harmonisieren — für Serbien würde das unter anderem die Abschaffung der Visafreiheit mit Russland bedeuten.
Auch die EU selbst sendet gemischte Signale: Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos stellte Anfang September 2026 die Beitrittsverhandlungen mit Serbien infrage und erklärte, Serbien stehe an einem Wendepunkt. Für Reisende ändert sich bis auf Weiteres also nichts: Wer nach Serbien fährt, überquert eine Außengrenze des Schengen-Raums — mit entsprechender Passkontrolle in beide Richtungen. Mehr Hintergründe zum Thema finden Sie in unserer Rubrik Reiseplanung.
Der serbische Dinar: Wie zahlt man in Novi Sad?
Serbien verwendet nicht den Euro, sondern den serbischen Dinar. Der serbische Dinar ist die offizielle Währung Serbiens. Der aktuelle Wechselkurs lag zuletzt bei 1 Euro = 117,325 Dinar (Stand: August 2026). Der Kurs ist seit Jahren bemerkenswert stabil: Der Umrechnungskurs für 1 Euro entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren von 122,97 auf 117,37 Dinar — ein Rückgang von lediglich 4,6 Prozent in über einem Jahrzehnt.
Es empfiehlt sich unbedingt die Mitnahme von Bargeld in Euro und der Umtausch vor Ort. Da der Euro in Serbien nicht als offizielles Zahlungsmittel gilt, sollten bereits an der Grenze ausreichend Euro in Dinar getauscht werden. Auch wenn Serbien ein beliebtes Reiseziel ist, kommt man mit Euro in Geschäften, Restaurants und Hotels nicht weit. Selbst in touristischen Hochburgen ist der Euro als Zahlungsmittel sehr unüblich.
Praktische Tipps für den Geldumtausch in Novi Sad:
- Wechselstuben (Menjačnica) in der Innenstadt bieten in der Regel bessere Kurse als Banken oder Grenzübergänge.
- An Geldautomaten erhalten Sie überall den besten Wechselkurs — tauschen Sie nie an Grenzübergängen.
- Ein Rücktausch von Dinar in Euro ist nicht möglich — tauschen Sie daher lieber etwas weniger und frischer.
- Kreditkarten werden in Belgrad und Novi Sad in vielen Hotels und Restaurants akzeptiert; in der Fruška Gora und auf dem Land sollten Sie stets Bargeld dabei haben.
- Revolut und Wise sind laut Reisenden besonders günstig für Abhebungen an serbischen Automaten.
Was Kulturreisende in Novi Sad erwartet
Novi Sad ist nicht nur eine logistische Durchgangsstation — die Stadt ist ein vollwertiges Kulturziel für sich. Mit knapp 300.000 Einwohnern ist Novi Sad die zweitgrößte Stadt Serbiens, Hauptstadt der Provinz Vojvodina und liegt rund 70 Kilometer nordwestlich von Belgrad. Im Jahreslauf finden über 200 verschiedene Festivals und Veranstaltungen statt.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für Kulturreisende:
- Festung Petrovaradin: Das barocke Bollwerk hoch über der Donau mit seinen Katakomben, dem Stadtmuseum und weitem Panoramablick ist das Wahrzeichen der Stadt.
- Freiheitsplatz (Trg slobode): Der zentrale Stadtplatz mit der Mariä-Namen-Kathedrale und dem historischen Rathaus bildet das gesellschaftliche Herz Novi Sads.
- Dunavska-Straße: Die Dunavska-Straße direkt am Donauufer zählt zu den beliebtesten Punkten der Stadt. Zahlreiche Cafés, Galerien und Boutiquen laden zum Flanieren ein.
- Fruška Gora: Der bewaldete Höhenzug mit seinen 16 orthodoxen Klöstern liegt direkt vor der Stadtgrenze und ist in 20 Minuten erreichbar — perfekt für einen Halbtagsausflug. Mehr dazu lesen Sie in unserer Rubrik Klöster & Sakralbauten.
- Sremski Karlovci: Das baroque Weinstädtchen nur 12 Kilometer entfernt ist ein klassisches Ausflugsziel für Liebhaber von Vojvodina-Wein und regionaler Küche.
- Donaupark: Der älteste Stadtpark Serbiens ist ein idealer Ort für einen entspannten Spaziergang nach einem langen Kulturtag.
Für eine Kulturreise eignen sich besonders Mai, Juni, September und die erste Oktoberhälfte. Dann sind die Temperaturen meist angenehmer als im Hochsommer und die Stadt lässt sich gut mit Ausflügen verbinden. Wer vor allem Belgrad und Novi Sad besuchen möchte, kann dagegen nahezu das ganze Jahr reisen.
Anreise: Mit dem Zug in weniger als einer Stunde
Novi Sad ist hervorragend an Belgrad angebunden: Von Belgrad lässt sich Novi Sad vergleichsweise unkompliziert erreichen — besonders praktisch ist die Bahnverbindung zwischen den beiden Städten. Der Hochgeschwindigkeitszug verbindet Belgrad mit Novi Sad in rund 35 Minuten. Weitere Informationen zur Routenplanung finden Sie in unserer Reiseplanungs-Rubrik sowie in unserer Übersicht zum Thema Land und Leute.
Häufige Fragen zu Novi Sad, Einreise und Währung
Brauche ich ein Visum für Serbien?
Nein. Deutsche, Österreicher und Schweizer reisen visumfrei nach Serbien ein — für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen. Es genügt ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Ein Online-Formular oder Vorabantrag ist nicht nötig.
Gehört Serbien zum Schengen-Raum?
Nein, Serbien ist kein Schengen-Mitglied. Das bedeutet: An der Grenze findet eine Passkontrolle statt, und die Zeit in Serbien zählt nicht auf Ihr 90-Tage-Schengen-Kontingent an. Serbien plant, bis Ende 2027 „schengenbereit“ zu sein — ein realistischer Zeitplan ist laut Experten allerdings fraglich.
Kann ich in Serbien mit Euro bezahlen?
Nein, offiziell nicht. Die Landeswährung ist der serbische Dinar (RSD). In Geschäften, Restaurants und Taxis werden ausschließlich Dinar akzeptiert. Bringen Sie Euro als Bargeld mit und tauschen Sie diese vor Ort in einer offiziellen Wechselstube oder am Geldautomaten um. Der aktuelle Kurs liegt bei rund 117 Dinar pro Euro.
Wie viel Bargeld muss ich bei der Einreise deklarieren?
Ab einem Betrag von 10.000 Euro (oder Gegenwert in anderer Währung) ist eine Deklarationspflicht bei der Einreise vorgeschrieben. Kleinere Beträge können problemlos mitgebracht werden.
Wie lange dauert die Fahrt von Belgrad nach Novi Sad?
Mit dem Hochgeschwindigkeitszug sind es rund 35 Minuten. Züge verkehren mehrmals täglich. Mit dem Auto beträgt die Fahrtzeit je nach Verkehr und Grenzlage etwa 45 bis 60 Minuten auf der Autobahn.
Was sind die Top-Sehenswürdigkeiten in Novi Sad für Kulturreisende?
Die Festung Petrovaradin mit ihren Katakomben und dem Stadtmuseum, der Freiheitsplatz mit der Mariä-Namen-Kathedrale, die Dunavska-Straße am Donauufer sowie die orthodoxen Klöster der Fruška Gora gehören zu den absoluten Highlights. Für Weinliebhaber ist ein Abstecher nach Sremski Karlovci ein Muss.
Ist Novi Sad sicher für Reisende?
Ja, Novi Sad gilt als sichere Reisestadt. Das Auswärtige Amt weist auf allgemeine Kleinkriminalität hin, wie in vielen europäischen Touristenstädten üblich. Besondere Vorsicht ist lediglich bei größeren Demonstrationen geboten — informieren Sie sich kurz vor Reiseantritt über die aktuelle Lage.