Tršić liegt bei Loznica in Westserbien und ist der Geburtsort des Sprach- und Schriftreformers Vuk Stefanović Karadžić. Das Dorf ist ein Freilichtmuseum mit Gedenkhaus, Museum der Sprache und Schrift, Galerie und Blockkirche. Der Vukov sabor wird seit dem 17. September 1933 jedes Jahr im September gefeiert.
Tršić ist ein Dorf, das man nicht nur wegen der Landschaft besucht. Hier wurde Vuk Stefanović Karadžić geboren, der Reformer der serbischen Sprache und Schrift, und hier findet jedes Jahr im September ein Fest statt, das älter ist als die meisten Festivals Europas: der Vukov sabor. Im Dorf und in der Umgebung stehen Häuser, Gärten und Kirchen, die zeigen, wie ländliches Leben in Westserbien aussah.
Auf dieser Seite erfährst du, was dich im Freilichtmuseum erwartet, wie der Sabor entstand und abläuft, welche Nachbarorte du verbinden kannst und wie du den Besuch planst. Weitere Hintergründe zur Sprache findest du auf unserer Seite zum Serbischen.
| Lage | Dorf bei Loznica, Westserbien, Region Mačva und Podrinje |
|---|---|
| Berühmter Sohn | Vuk Stefanović Karadžić, Reformer der serbischen Sprache und Schrift |
| Freilichtmuseum | Gedenkhaus, Museum der Sprache und Schrift, Galerie, Gästehaus, Kalligrafie-Werkstatt |
| Kirche | Blockkirche des heiligen Erzengels Michael |
| Vukov sabor | erste Versammlung am 17. September 1933, jährlich im September |
| Jubiläum | 90. Sabor vom 11. bis 17. September 2023 |
| Eintrag | Nationales Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes, 18. Juni 2012 |
| Nachbarort | Kloster Tronoša, Banja Koviljača |
Fragen, die wir beantworten
- Wer war Vuk Karadžić, und warum steht er in Serbien so hoch im Kurs?
- Was erwartet dich im Freilichtmuseum?
- Wie entstand der Vukov sabor, und wie läuft er ab?
- Wie lässt sich das Dorf in die Geschichte einordnen?
- Was liegt in der Nähe: Tronoša, Gučevo und Banja Koviljača?
- Was hat Vuk Karadžić für die Sprache geleistet?
- Welche Rolle spielt das Kloster Tronoša für Vuk?
- Wie wuchs der Vukov sabor zum größten Fest des Landes?
- Wie planst du den Besuch?
Wer war Vuk Karadžić, und warum steht er in Serbien so hoch im Kurs?
Vuk Stefanović Karadžić ist der Reformer der serbischen Sprache und des Alphabets. Das Gebiet um Loznica wird deshalb Vukov kraj genannt, das Land Vuks. Der Sabor, das Dorffest zu seinen Ehren, bewahrt die serbische Sprache, die Schrift und die mündliche Dichtung und ist die älteste Kulturveranstaltung des Landes.
Wer sich für die Sprache interessiert, findet auf unserer Seite zum Serbischen einen Einstieg, und für Reisende ist auch die Seite Serbisch für Reisende nützlich. Die Verbindung zwischen Sprache, Volkslied und Fest macht Tršić zu einem Ort, an dem Literaturgeschichte nicht im Buch, sondern im Dorf erlebt wird.
Was erwartet dich im Freilichtmuseum?
Tršić ist ein Freilichtmuseum. Zum Komplex gehören das Museum der Sprache und Schrift, eine Galerie, ein Gästehaus, eine Kalligrafie-Werkstatt und Vuks Anwesen mit dem Gedenkhaus. Das Gedenkhaus steht an der Stelle, an der die Familie wohnte; es wurde wiederhergestellt und am 17. September 1933 geweiht. Hinzu kommt die Blockkirche des heiligen Erzengels Michael.
Zum Rundgang gehören außerdem Wassermühlen und Beispiele volkstümlicher Architektur, darunter ein wiederaufgebautes Genossenschaftshaus mit Hof, wie es für das 19. Jahrhundert typisch war. Der Reiz liegt in der Dichte: Du gehst auf kleinen Wegen von Haus zu Haus, siehst Holzbau, Kamin und Hofanlage und verstehst, wie ein Dorf des 19. Jahrhunderts zusammengesetzt war. Tršić und das Kloster Tronoša stehen gemeinsam als Kulturlandschaft unter Schutz.
Wie entstand der Vukov sabor, und wie läuft er ab?
Die erste Versammlung fand am 17. September 1933 im Hof des wiederhergestellten und geweihten Gedenkhauses statt. Seitdem wird der Sabor jedes Jahr am Vorabend von Mala Gospojina in Tršić gefeiert. Der Sabor wurde am 18. Juni 2012 in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Serbiens aufgenommen.
Das Programm umfasst mündliches Erzählen, traditionelle Tänze und Lieder, Wettbewerbe der Guslaren, die epische Dichtung vortragen, Vorstellungen mündlicher Überlieferungen und darstellende Kunst. Die Dorfgemeinschaft gestaltet das Programm maßgeblich mit; Verwandte und Freunde aus anderen Regionen kommen wie zu einem Dorffest. Einzelne Programmpunkte finden in Loznica statt. Der 90. Sabor lief vom 11. bis 17. September 2023, mit Eröffnung am 11. September und einer Abschlussveranstaltung am Sonntag, dem 17. September, um 12 Uhr auf dem Saborište, dem Versammlungsplatz. Zur Eröffnung am 11. September gehörten Grußworte der Stadt und des Kulturministeriums und ein Konzert der Jugendphilharmonie „Borislav Pašćan“ in Loznica; zum Abschluss sprachen Bürgermeister Vidoje Petrović und Patriarch Porfirije, und das Ensemble „Venac“ aus Gračanica führte „Venac igra u slavu Vuka“ auf. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens erhielt der Sabor den Sretenje-Orden zweiten Grades. Schon 2017 hatte der 84. Sabor stattgefunden.
Wie lässt sich das Dorf in die Geschichte einordnen?
Vuk Karadžić lebte in einer Zeit, in der Serbien seine Eigenständigkeit gegenüber dem Osmanischen Reich erkämpfte. Das Dorf ist deshalb Teil einer größeren Geschichte, die auf unseren Seiten Serbien im 19. Jahrhundert und Osmanische Zeit erzählt wird. Der Sabor knüpft an diese Zeit an, indem er Lieder, Erzählungen und Bräuche in den Mittelpunkt stellt.
Wer die Reise mit Geschichte verbinden will, kann in der Umgebung Gedenkorte des Ersten Weltkriegs besuchen: Auf dem nahen Gučevo steht in der Nähe des Gipfels Crni vrh eine Gedenkstätte mit den Gebeinen gefallener serbischer und österreichisch-ungarischer Soldaten. Mehr zum Hintergrund liest du in unserem Beitrag zu Serbien im Ersten Weltkrieg.
Was liegt in der Nähe: Tronoša, Gučevo und Banja Koviljača?
Das Kloster Tronoša liegt nur wenige Kilometer von Tršić entfernt. Es wurde 1317 von Katarina, der Frau König Dragutins, gegründet, die Kirche wurde 1599 erneuert. Hier schrieb der Mönch Josif die Tronoša-Chronik; eine Kopie liegt im Kloster, das Original in Wien. Mehr dazu auf unserer Seite zum Kloster Tronoša.
Der Kurort Banja Koviljača liegt am Fuß des Gučevo an der Drina; wir beschreiben ihn auf der Seite Banja Koviljača. Gučevo bietet Wandern, Mountainbiken und Gleitschirmfliegen. Weitere Ziele in der Region sind das Kloster Čokešina aus dem 15. Jahrhundert, Banja Badanja, der botanische Garten Rajska dolina in Lipnica und Žićina plaža an der Drina, ein sommerlicher Badeplatz zum Schwimmen und Angeln.
Was hat Vuk Karadžić für die Sprache geleistet?
Vuk Stefanović Karadžić wurde am 6. November 1787 in Tršić geboren und starb am 6. Februar 1864 in Wien. Seine Reform begann in Wien nach dem Scheitern des Ersten Serbischen Aufstands, im Austausch mit dem Slawisten Jernej Kopitar. Auf dessen Rat schrieb er zuerst eine Grammatik, die 1814 erschienene Pismenica serbskoga jezika po govoru prostoga naroda napisana. Sie sollte die vorgeschlagenen Änderungen begründen und als Lehrbuch dienen.
1818 veröffentlichte er sein Wörterbuch, den Srpski rječnik, serbisch-deutsch-lateinisch, dessen Material er zwischen 1813 und 1818 mit Kopitars Hilfe sammelte. Die zweite, stark erweiterte Auflage von 1852 entstand mit Đuro Daničić. Vuk stellte fest, dass das Serbische 30 Laute hat, für sechs davon fehlten kyrillische Buchstaben; er führte neue Zeichen ein und strich 18 Buchstaben, für die das Serbische keine Verwendung hatte. Der Widerstand war groß, doch 1868 übernahm die serbische Regierung sein abgeändertes Alphabet.
Welche Rolle spielt das Kloster Tronoša für Vuk?
Das Kloster Tronoša gehört zur Eparchie Šabac und ist dem Eintritt der Gottesmutter in den Tempel geweiht. Katarina, die Frau König Dragutins, vollendete es 1317. 1559 erneuerte Hegumen Pajsije mit seinen Brüdern das Kloster und baute die Kirche, wie ein Eintrag in einer heute in Berlin aufbewahrten Handschrift festhält; kurz danach arbeitete im Kloster eine Abschreibschule. Vor dem Ersten Serbischen Aufstand gehörte das Kloster den Spahis Rašćić aus Loznica.
In der Klosterschule von Tronoša lernte vor dem Ende des 18. Jahrhunderts auch Vuk Karadžić. Heute gehören zum Komplex die Kirche, ein neues Konak mit großem Speisesaal, ein Ausstellungsraum und das Museum der frühen Schulbildung Vuks. Am 12. Oktober 1941 kamen deutsche Truppen in das Kloster.
Wie wuchs der Vukov sabor zum größten Fest des Landes?
Der erste Sabor am 17. September 1933 war eine große Volksfeier zur Eröffnung des wiederhergestellten Vuk-Hauses. Es sprachen Vertreter des Königs, der Regierung, der Kirche, der Universität und der Akademie der Wissenschaften. Das Gedenkhaus entstand 1933 nach dem Vorbild älterer Häuser aus dem Jadar-Gebiet und wurde seitdem mehrfach restauriert.
Zunächst war der Sabor ein lokales Fest vor dem Haus. In den Jubiläumsjahren 1937, 1947, 1964 und 1987 wuchs das Programm und bekam gesamtnationalen Charakter. Zum 100. Todestag Vuks 1964 entstand zwischen der neuen Schule und dem Vuk-Haus eine große Bühne mit natürlichem Amphitheater, entworfen von der Belgrader Architektin Jovanka Jeftanović, später kamen kleine Blockhäuser hinzu. 1957 fand erstmals ein internationales Slawistentreffen statt, vom 14. bis 22. September 1964 ein Symposium mit über 80 Wissenschaftlern; 1971 wurde das Internationale Slawistische Zentrum in Belgrad gegründet.
Seit 1970 gibt es die Vorsabor-Tage, sieben bis fünfzehn Tage mit Tagungen, Theater, Film, Konzerten, Ausstellungen, Literaturabenden und Guslaren-Treffen in Loznica, Banja Koviljača, Tršić und Tronoša. Auf dem Programm standen Theater, Oper und Ballett, etwa „Vukova Srbija“ von Dušan Radić, „Ohridska legenda“ von Stevan Hristić und „Ero sa onoga sveta“ von Jakov Gotovac. Die Stadt Loznica beziffert die Besucherzahl auf 20.000 bis 30.000. Der Schülersabor findet seit 1971 jeden Mai in Tršić statt.
Wie planst du den Besuch?
Von Loznica aus liegt Tršić an der Straße nach Valjevo; das Kloster Tronoša ist die nächste Station, Banja Koviljača am Fuß des Gučevo die dritte. Der Gučevo mit dem Crni vrh bietet Wandern und Gleitschirmfliegen, an der Drina liegt Žićina plaža. Sabor-Programmpunkte laufen auch in Loznica, die Touristeninformation sitzt am Trg Jovana Cvijića 20.
Ein Tag genügt für die Reihenfolge Tršić, Tronoša, Gučevo oder Kurpark. Wer im September kommt, plant den Abschlusssonntag des Sabor ein, Unterkünfte gibt es in Loznica, in Banja Koviljača und in ländlichen Haushalten mit regionaler Küche. Von Valjevo aus lässt sich die Route fortsetzen, siehe Valjevo und unsere Rundreisen.
Wann findet der Vukov sabor statt?
Jedes Jahr im September in Tršić, am Vorabend von Mala Gospojina. Der 90. Sabor lief 2023 vom 11. bis 17. September.
Seit wann gibt es den Sabor?
Die erste Versammlung fand am 17. September 1933 im Hof des wiederhergestellten Gedenkhauses statt.
Was gehört zum Freilichtmuseum in Tršić?
Gedenkhaus, Museum der Sprache und Schrift, Galerie, Gästehaus, Kalligrafie-Werkstatt, Blockkirche des heiligen Michael und Vuks Anwesen.
Wie weit ist Tršić von Loznica?
Wenige Kilometer. Das Dorf liegt an der Straße von Loznica nach Valjevo.
Vukov kraj entdecken
Verbinde Tršić mit Tronoša, Banja Koviljača und dem Drina-Tal. Eine Route durch Westserbien, die Sprache, Kloster und Natur zusammenbringt.
Weitere Seiten: Kloster Tronoša, Banja Koviljača und serbische Traditionen.
